Leseprobe Weda Elysia Fahrt ins Paradies 1. Kapitel

Weda Elysia – Fahrt ins Paradies

Leseprobe

1. Zur Lichtung – das Abenteuer beginnt

Wir fuhren in einem dieser neuen, leichten Elektroautos
in grasgrün mit guter Rundumsicht. Fast völlig
geräuschlos glitten wir über den Asphalt. Mark hatte
bisher kein Wort geredet. Er bog rechts ab, das triste
Umfeld der Straße änderte sich schlagartig. Irgendwie
kam mir diese leicht hüglige Landschaft bekannt, ja
ich würde sagen, heimisch vor. Doch das konnte nicht
sein oder doch, möglicherweise mit meinen Eltern,
hmm….
Ich bemerkte, dass Mark mich von der Seite musterte,
schaute aber weiter grübelnd aus dem Fenster. Das
Mobil rollte nun über einen Sandweg und Mark öffnete
ein Fenster. Ein wohliger, leicht feuchter und blumiger
Geruch, durchsetzt mit dem Duft von Kiefern und
blühenden Linden, die den Weg säumten, wehte mir
entgegen. Gierig sog ich ihn auf. Mark lächelte: »Gut
oder sehr gut?« »Sehr gut, das tut wirklich gut!«, antwortete
ich ganz ehrlich. »Gleich gibt’s noch mehr!«
Ich nickte. Noch mehr?!
Als ich Mark vor zwei Wochen „zufällig“ begegnete, war
ich völlig erstaunt über sein Äußeres. Ich hätte ihn nicht
wieder erkannt, wenn er mich nicht angesprochen hätte.
Und dabei waren wir früher so gute Freunde gewesen.
»Meine Güte Mark, bist du es? Was ist passiert? Du …
du siehst fantastisch aus! Welche Diät hast du gemacht?
Hast du absaugen lassen, treibst du Sport …?«, schoss es
aus mir heraus. »Langsam, langsam mein Lieber, ganz
ruhig!«, antwortete Mark gelassen, »Hast du ein bisschen
Zeit? Komm, setzen wir uns unter die Linde dort!«
Wir gingen ein paar Schritte und setzten uns unter den
Baum, auf den Mark gezeigt hatte. Er nahm aus seiner
Umhängetasche eine Tonflasche und reichte sie mir:
»Wasser«, sagte er, »Wasser aus unserer Quelle. Probier’
mal!« Zögernd ergriff ich die Flasche und schaute sie
skeptisch an: »Du hast eine eigene Quelle und trinkst
das auch?« Er grinste übers ganze Gesicht. »Klar doch,
es schmeckt super und ist völlig unbelastet von chemischen
Zusätzen, welche dem städtischen Leitungsnetz
inzwischen permanent beigemengt werden. So
zum Beispiel Chlor, um Keime abzutöten.« Ich öffnete
und es roch unverdächtig. Hmm!? … Einen Schluck
vielleicht?! Es schmeckte … ja ich muss sagen … es
schmeckte irgendwie … lebendig. Nach dem fünften
Schluck fragte ich: »Und davon siehst du jetzt so aus
oder was?« »Mark schmunzelte und legte dabei seine
Hand auf meine Schulter: »davon und von noch viel
mehr, was ich aus unserem Garten ernte und esse. In
den letzten fünfzehn Jahren hat sich in meinem Leben
vieles geändert. Ich habe mich geändert!«
Ich sah ihm ins Gesicht, welches sogar fast noch jünger
aussah als vorher. Wie war das möglich? Während ich
mich gerade von einer ekligen Sommergrippe erholte,
sah er aus wie Apollo persönlich. Dabei waren wir aus
einem Jahrgang und hatten gemeinsam vor vielen Jahren
die Meisterschule absolviert. Anschließend hatte
sich jeder selbständig gemacht. Einige Treffen im Baufachhandel,
ein bisschen Hilfe bei diesem und jenem
Auftrag und dann – Jahre nichts mehr.

Er sah auch mich an, und sprach ruhig und ausgeglichen:
»Und du mein Freund, wie geht es dir?« Er meinte
es ehrlich. Ja, dieses „Und wie geht es dir“ war nicht
einfach nur so dahin gesagt.
Was sollte ich sagen, Selbständige klagen doch nicht.
Sie sind Unternehmer, sie unternehmen etwas: »Mir,
ja mir geht’s gut, hatte gerade ne fette Erkältung, aber
sonst geht’s gut.«, überspielte ich. »Und das Geschäft?«,
fragte Mark. Ich winkte ab, hob nur die Hand hoch und
runter: »Berg und Tal, hin und her geht’s. Es bleibt einfach
nicht genug über!«, spuckte ich endlich aus.
Das Mobil holperte wohl über eine große Wurzel und
gab den Stoß ungebremst an meine Wirbelsäule weiter.
Mark drosselte die Geschwindigkeit. »So, nun sind wir
gleich da.«
Von diesem „Da“ hatte Mark bei unserem Gespräch
unter der Linde berichtet. Mir wurde dabei sehr eigenartig.
Es war, als ob sich eine lange, sehr lange Sehnsucht
nach Geborgenheit in meinem Bauch ausbreitete
und mein Herz dabei regelrecht erwärmt wurde.
Ich konnte es richtig spüren und war irgendwie erschrocken.
Mark musste es mir damals angesehen haben
und hatte mich eingeladen. Neugierig war ich, aber
auch vorsichtig. Das hörte sich alles so gut an … So gut,
dass es schon wieder einen Haken haben musste. Heutzutage
hört man ja vieles in den Medien: irgendwelche
Gurus machen ihre Anhänger abhängig und gehen auf
Menschenfang, verpassen ihnen eine Gehirnwäsche
und was weiß ich noch alles!? Aber dieses Gefühl in
mir … das war angenehm. Bei Kunden hatte ich auch
manchmal Ahnungen.
Mark sagt, das sei meine Intuition, jeder Mensch hat
sie. Die meisten tun sie allerdings als Unfug oder Zufall
ab. Wer sich seiner Intuition mehr und mehr öffnet,
dem öffnet sich das Leben und es wird leichter …
Leichter kann ich gut gebrauchen, dachte ich.
»So, wir sind da!«, hörte ich Marks Stimme. Ich schreckte
aus meinen Gedanken. Der Waldweg öffnete sich
für eine große, sonnendurchflutete Lichtung.

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