Leseprobe

Weda Elysia – Fahrt ins Paradies

 

Einleitung

ZederzweigeUnsere Geschichte beginnt – wie könnte es auch anders sein – Anfang Sommer auf dem Planeten Erde. Genauer gesagt in Sachsen-Anhalt. Es ist das Land der Frühaufsteher.

Hier sind die Wiesen grüner und die Berge etwas höher als in den meisten anderen Gebieten Deutschlands. Die Beamten in diesem Land sind den Menschen wohlgesonnen und diese  können das immer besser wertschätzen.

Das Leben der meisten Menschen in Deutschland ist geprägt von Arbeiten, Essen, Fernsehen und Schlafen. So leben sie Tag ein Tag aus, bis endlich die Zeit für den kleinen hartverdienten Urlaub kommt, damit sie wieder „Frisch und Froh“ den Alltagstrott aushalten können.

Manche Menschen nennen sogar ein Häuschen mit Garten ihr Eigen. Dabei finden sie es ganz normal, wenn sie eine jährliche Grundsteuer entrichten müssen; fragt man, warum das so ist, bekommt man die lakonische Antwort: “Das war schon immer so” oder “Da kann man eh nichts machen”. Der Kölnerwürde wohl sagen: “Et kütt wie et kütt”.

Auch der Rest der Welt, so scheint´s, hat sich in dieses zweifelhafte Schicksal gefügt. Zum Glück glauben nicht alle Menschen an Schicksal und nehmen ihr Leben geschickt formend in die eigenen Hände.

Es ist zwar noch eine bescheidene, aber stetig wachsende Zahl von Menschen, die in kleinen autarken Dörfern eine besondere Form des Miteinanders leben. Irgendwie wissen diese Menschen, wie ein Leben im Paradies möglich sein soll. Man hört da solche Gerüchte … Du weißt ja, wie das ist.

Bist Du neugierig geworden? Nun ja: wir mussten ein wenig ausholen, aber jetzt mach es Dir bequem und lass Dich von unserer Geschichte ent-zaubern. Lüften wir also den Schleier und schauen uns eine der ersten Familienlandsitz-Siedlungen in Deutschland etwas genauer an …

 

1. Zur Lichtung – das Abenteuer beginnt

EichenzweigeWir fuhren in einem dieser neuen, leichten Elektroautos in grasgrün mit guter Rundumsicht. Fast völlig geräuschlos glitten wir über den Asphalt. Mark hatte bisher kein Wort geredet. Er bog rechts ab, das triste Umfeld der Straße änderte sich schlagartig. Irgendwie kam mir diese leicht hüglige Landschaft bekannt, ja ich würde sagen heimisch vor. Doch das konnte nicht sein oder doch, möglicherweise mit meinen Eltern, hmm….

Ich bemerkte, dass Mark mich von der Seite musterte, schaute aber weiter grübelnd aus dem Fenster. Das Mobil rollte nun über einen Sandweg und Mark öffnete ein Fenster. Ein wohliger, leicht feuchter und blumiger Geruch, durchsetzt mit dem Duft von Kiefern und blühenden Linden, die den Weg säumten, wehte mir entgegen. Gierig sog ich ihn auf. Mark lächelte: »Gut oder sehr gut?« »Sehr gut, das tut wirklich gut!«, antwortete ich ganz ehrlich. »Gleich gibt’s noch mehr!«

Ich nickte. Noch mehr?! Als ich Mark vor zwei Wochen „zufällig“ begegnete, war ich völlig erstaunt über sein Äußeres. Ich hätte ihn nicht wieder erkannt, wenn er mich nicht angesprochen hätte. Und dabei waren wir damals so gute Freunde gewesen. »Meine Güte Mark, bist du es? Was ist passiert? Du … du siehst fantastisch aus! Welche Diät hast du gemacht? Hast du absaugen lassen, treibst du Sport …?«, schoss es aus mir heraus. »Langsam, langsam mein Lieber, ganz ruhig!«, antwortete Mark gelassen, »Hast du ein bisschen Zeit? Komm, setzen wir uns unter die Linde dort!«

Wir gingen ein paar Schritte und setzten uns unter den Baum, auf den Mark gezeigt hatte. Er nahm aus seiner Umhängetasche eine Tonflasche und reichte sie mir: »Wasser«, sagte er, »Wasser aus unserer Quelle. Probier’ mal!« Zögernd ergriff ich die Flasche und schaute sie skeptisch an: »Du hast eine eigene Quelle und trinkst das auch?« Er grinste übers ganze Gesicht. »Klar doch, es schmeckt super und ist völlig unbelastet von chemischen Zusätzen, welche dem städtischen Leitungsnetz inzwischen permanent beigemengt werden. So zum Beispiel Chlor, um Keime abzutöten. « Ich öffnete und es roch unverdächtig. Hmm!? … Einen Schluck vielleicht?! Es schmeckte … ja ich muss sagen … es schmeckte irgendwie … lebendig. Nach dem fünften Schluck fragte ich: »Und davon siehst du jetzt so aus oder was?«

»Mark schmunzelte und legte dabei seine Hand auf meine Schulter: »davon und von noch viel mehr, was ich aus unserem Garten ernte und esse. In den letzten fünfzehn Jahren hat sich in meinem Leben vieles geändert. Ich habe mich geändert!« Ich sah ihm ins Gesicht, welches sogar fast noch jünger aussah als vorher. Wie war das möglich? Während ich mich gerade von einer ekligen Sommergrippe erholte, sah er aus wie Apollo persönlich. Dabei waren wir aus einem Jahrgang und hatten gemeinsam vor vielen Jahren die Meisterschule absolviert. Anschließend hatte sich jeder selbständig gemacht. Einige Treffen im Baufachhandel, ein bisschen Hilfe bei diesem und jenem Auftrag und dann – Jahre nichts mehr.

Er sah auch mich an, und sprach ruhig und ausgeglichen: »Und du mein Freund, wie geht es dir?« Er meinte es ehrlich. Ja, dieses „Und wie geht es dir“ war nicht einfach nur so dahin gesagt. Was sollte ich sagen, Selbständige klagen doch nicht. Sie sind Unternehmer, sie unternehmen etwas: »Mir, ja mir geht’s gut, hatte gerade ne fette Erkältung, aber sonst geht’s gut.«, überspielte ich. »Und das Geschäft?«, fragte Mark. Ich winkte ab, hob nur die Hand hoch und runter: »Berg und Tal, hin und her geht’s. Es bleibt einfach nicht genug über!«, spuckte ich endlich aus.

Das Mobil holperte wohl über eine große Wurzel und gab den Stoß ungebremst an meine Wirbelsäule weiter. Mark drosselte die Geschwindigkeit. »So, nun sind wir gleich da.« Von diesem „Da“ hatte Mark bei unserem Gespräch unter der Linde berichtet. Mir wurde dabei sehr eigenartig. Es war, als ob sich eine lange, sehr lange Sehnsucht nach Geborgenheit in meinem Bauch ausbreitete und mein Herz dabei regelrecht erwärmt wurde. Ich konnte es richtig spüren und war irgendwie erschrocken. Mark musste es mir damals angesehen haben und hatte mich eingeladen. Neugierig war ich, aber auch vorsichtig. Das hörte sich alles so gut an … So gut, dass es schon wieder einen Haken haben musste. Heutzutage hört man ja vieles in den Medien: irgendwelche Gurus machen ihre Anhänger abhängig und gehen auf Menschenfang, verpassen ihnen eine Gehirnwäsche und was weiß ich noch alles!? Aber dieses Gefühl in mir … das war angenehm. Bei Kunden hatte ich auch manchmal Ahnungen. Mark sagt, das sei meine Intuition, jeder Mensch hat sie. Die meisten tun sie allerdings als Unfug oder Zufall ab. Wer sich seiner Intuition mehr und mehr öffnet, dem öffnet sich das Leben und es wird leichter. Leichter kann ich gut gebrauchen, dachte ich.

»So, wir sind da!«, hörte ich Marks Stimme. Ich schreckte aus meinen Gedanken. Der Waldweg öffnete sich für eine große, sonnendurchflutete Lichtung …

 

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